Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel – notwendig oder überflüssig?

Eine pauschale Nahrungsergänzung mit „All in One“ Multivitamin-Multimineral-Präparaten ist meist wenig zielführend, da hierbei die individuelle Ernährung und Versorgungslage nicht berücksichtigt werden. Eine individuell angepasste Nahrungsergänzung mit einzelnen Mikronährstoffen oder selektiven Multivitamin-Multimineral-Präparaten (z. B. für die vegane Zielgruppe) kann sich hingegen als sinnvoll und teils auch als notwendig erweisen. Die folgenden Beispiele zeigen dies auf.

So ist bekannt, dass pflanzliche Lebensmittel kein bzw. keine zuverlässigen Mengen Vitamin B12 liefern. Vitamin B12 muss deshalb bei einer veganen Ernährung supplementiert werden (mehr dazu in der Rubrik "Mikronährstoffe - Vitamin B12"). Ein Großteil der Bevölkerung supplementiert indirekt Iod über angereichertes Speisesalz, da die Böden und damit die meisten Lebensmittel hierzulande arm an Iod sind und die wenigen bekannten iodreichen Lebensmittel nur wenig verzehrt werden – wäre dies nicht der Fall, würde immer noch ein großer Teil der Bevölkerung an Iodmangel leiden. Vitamin D ist nur in wenigen Lebensmitteln enthalten und kann nur bei ausreichender Sonnenbestrahlung und hierzulande nur im Frühjahr und Sommer vom Körper in relevanten Mengen gebildet werden. Auch hier sind Supplemente entscheidend für die Deckung des Bedarfs. Für Säuglinge wird generell eine Supplementierung mit Vitamin D zur Rachitis-Prophylaxe empfohlen. 

Grundsätzlich sollten Supplemente immer selektiv dann verwendet werden, wenn bekannt ist, dass gewisse Nährstoffe aus bestimmten Gründen über die Nahrung zu wenig zugeführt werden, der Bedarf über die alltägliche Ernährung grundsätzlich nicht bzw. nicht zuverlässig gedeckt werden kann, oder dass eine höhere Zufuhr eines Nährstoffs soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen nach zu urteilen vorteilhaft ist. Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln stellt kein „Armutszeugnis“ für die Ernährung dar, sondern viel eher – wenn gezielt und verantwortungsbewusst eingesetzt - eine zeitgemäße Anpassung an die Gegebenheiten. 

Unsere Lebensumstände verändern sich (z.B. ganztägige Büroarbeit und dadurch mangelnder Aufenthalt in der Sonne und zu wenig Vitamin D), der Nährstoffgehalt der Böden variiert von Region zu Region (siehe z.B. Selen), im Alltag ist eine „perfekte“ Ernährung häufig nicht umsetzbar und wissenschaftliche Arbeiten liefern neue Erkenntnisse zur optimalen Zufuhr bestimmter Nährstoffe. All diese Punkte sollten nicht aufgrund von „dogmatischen“ Haltungen und einer „starren“ Sichtweise auf das Thema Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel ignoriert werden – es empfiehlt sich, im Sinne der Gesundheit gelassen, offen und rational mit der Thematik umzugehen. Nahrungsergänzungsmittel stellen keinen Ersatz für eine „gesunde Ernährung“ dar, sie können eine gesunde Ernährung aber sinnvoll ergänzen. 

In Anbetracht der unzähligen Stoffe, die wir täglich über unsere Nahrung zuführen, erscheint die Zahl der wenigen Stoffe, die möglicherweise ergänzend zugeführt werden sollten, doch sehr gering.

Stand 03/2015