Formen der pflanzlichen Ernährung

Es existieren verschiedene Formen der pflanzlichen Ernährung. Die „vegane Ernährung“ ist eine pflanzliche Ernährungsform, die vorrangig aus ethischen Gründen praktiziert wird und alle verfügbaren pflanzlichen Lebensmittel sowohl im gekochten als auch im rohen Zustand einschließt. Sie kann aus letzterem Grund auch als „pflanzliche Mischkost“ beschrieben werden. Bei anderen pflanzlichen Ernährungsformen werden hingegen bestimmte pflanzliche Lebensmittel nicht verzehrt. Eine pflanzliche Mischkost, die nicht oder nicht vorrangig aus ethischen Gründen praktiziert wird, sollte genau genommen nicht als vegane Ernährung bezeichnet werden. Allgemein empfiehlt sich für alle Lebensphasen die vegane Ernährung bzw. die pflanzliche Mischkost, während andere pflanzliche Ernährungsformen kritisch zu betrachten sind.

Unter Personen, die eine vegane Ernährung praktizieren, besteht meist Offenheit gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen, durch welche sich die Ernährung optimieren lässt und es bestehen keine Grundsätze, die den Verzehr bestimmter pflanzlicher Lebensmittel oder die Verwendung von Supplementen (Nahrungsergänzungsmitteln) einschränken.

Andere, neuere pflanzliche Ernährungsformen wie z.B. die Makrobiotik, Rohkost oder der Frutarismus werden meist praktiziert, da ein besonderer gesundheitlicher Nutzen davon erwartet wird. Positive gesundheitliche Effekte und eine Überlegenheit gegenüber anderen Ernährungsformen, wie z.B. der „gewöhnlichen“ veganen Ernährung, werden auf diversen Websites, Blogs, in Foren, Zeitschriften und Büchern versprochen. Als Begründung für den besonderen gesundheitlichen Nutzen und die Überlegenheit werden Theorien beschrieben, die auf subjektiven Erfahrungen und Ansichten, einseitig ausgewählten oder unseriösen Quellen sowie fehlinterpretierten wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Die genannten Theorien sind in den allermeisten Fällen wissenschaftlich nicht belegt, widerlegt oder nicht nach „rationalen Kriterien“ überprüfbar; sie werden dennoch nicht aktualisiert und oft „dogmatisch“ mit Vehemenz vertreten.

Je mehr Lebensmittel bzw. Lebensmittelgruppen aus einer pflanzlichen Ernährung ausgeschlossen werden, desto schwieriger wird es, den Bedarf an diversen Nährstoffen zu decken. Aus diesem Grund sind „alternative“ pflanzliche Ernährungsformen in der Regel nicht für alle Lebensphasen geeignet und können grundsätzlich mit gesundheitlichen Nachteilen verbunden sein. Auch können sich die genannten Ernährungsformen als sehr schwer praktikabel erweisen. Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es mit Ausnahme von Allergien und Unverträglichkeiten keinen Grund, bestimmte pflanzliche Lebensmittel oder Lebensmittelgruppen vollständig aus der Ernährung auszuschließen. 

Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene pflanzliche Ernährungsformen.

Ernährungsform Konsumierte Nahrungsmittel Nahrungsmittel, die nicht verzehrt werden Anmerkungen
Vegane Ernährung / Pflanzliche Mischkost Alle Nahrungsmittel pflanzlichen Ursprungs ohne Einschränkung; Gemüse, Obst, Getreide, Hülsenfrüchte inkl. Soja, Nüsse und Samen sowie sämtliche Erzeugnisse aus diesen Nahrungsmitteln Tierische Nahrungsmittel - Für alle Lebensphasen geeignet
- Vitamin B12-Supplementierung erforderlich
Makrobiotik Getreide, Hülsenfrüchte, Soja, Gemüse, Algen; in geringen Mengen Obst, Nüsse und Samen sowie Erzeugnisse aus diesen Nahrungsmitteln); fast ausschließlich gekochte Nahrung (es gibt auch Formen, die Fisch beinhalten und nicht vegan sind) Tierische Nahrungsmittel (bei der veganen Form); Nachtschattengewächse (Tomaten, Auberginen, Paprika usw.); tropische Früchte, stärker verarbeitete Produkte - für Kinder nicht geeignet, wenn nicht angepasst
- Vitamin B12-Supplementierung erforderlich
Rohkost Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Sprossen aus Getreide und Hülsenfrüchten, sowie Erzeugnisse aus diesen Nahrungsmitteln; alles im rohen Zustand (es gibt Formen, die rohe Milchprodukte oder Fleisch beinhalten und nicht vegan sind) Tierische Nahrungsmittel (bei der veganen Form); sämtliche gekochte und über ca. 40 Grad erhitzte Nahrungsmittel - für Kinder nicht geeignet
- kann auch bei Erwachsenen problematisch sein
- schlechte Alltagstauglichkeit
- Vitamin B12-Supplementierung erforderlich
Urkost Obst, Gemüse, Nüsse, Samen, Sprossen, sowie Erzeugnisse aus diesen Nahrungsmitteln; alles im rohen Zustand; zusätzlich viele ungewaschene Wildkräuter/Wildpflanzen (Urkost kann auch nicht vollständig vegan sein und z. B. Insekten beinhalten) Tierische Nahrungsmittel (wenn rein vegan praktiziert); sämtliche gekochte und über ca. 40 Grad erhitzte Nahrungsmittel - für Kinder nicht geeignet
- kann auch bei Erwachsenen problematisch sein
- schlechte Alltagstauglichkeit
- Vitamin B12-Supplementierung erforderlich
Frutarismus Obst; Gemüse, das botanisch gesehen zu den Früchten gehört; Nüsse, Samen, sowie Erzeugnisse aus diesen Nahrungsmitteln Tierische Nahrungsmittel; Getreide, Hülsenfrüchte, Gemüse bis auf Gemüse, welches botanisch gesehen zu den Früchten gehört - die Deckung des Bedarfs an vielen Nährstoffen ist äußerst schwierig und kaum realisierbar

Tabelle: Formen der pflanzlichen Ernährung (in Anlehnung an die Tabelle „Formen der Vegetarischen Ernährung“ aus Mangels, R., Messina, V. & Messina, M. (2011). The Dietitian’s Guide to Vegetarian Diets (3rd Edition). Sudburry: Jones and Bartlett. (S. 7))

Stand 03/2015